Kriegsenkel.at

Erste österreichische Plattform für Kriegsenkel und Kriegsenkelinnen

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Kriegsenkel(Innen)

06.01.12

Als Kriegsenkel und Kriegsenkelinnen werden diejenigen Menschen in der aktuellen Literatur zum Thema benannt, deren Eltern im 2.Weltkrieg Kinder waren, also Kriegskinder (geb. ca. zwischen  1925 – 1945) .

KriegsenkelInnen sind meist in den 50er, 60er und 70er Jahren geboren.

Sie haben selbst keinen Krieg erlebt, und weisen dennoch transgenerative Kriegsfolgen auf.

Kriegsenkel leiden unter unterschiedlichen, zumeist diffusen seelischen Belastungen, die oft nur durch den Blick in die Geschichte ihrer Eltern und Großeltern im Zusammenhang mit deren Erlebnissen rund um den 2. Weltkrieg verstehbar werden.

Es sind Themen der Scham und Schuld, der Trauer, der Angst, der Beziehungs- und Kommunikationsstörungen. Kriegskinder fühlen sich oft fremd, suchen ihre Identität und sind oft mit (innerer/emotionaler) Heimatsuche beschäftigt. Gemeinsam ist ihnen oft eine Rastlosigkeit, eine hohe Leistungsbereitschaft, die nicht selten zu Erschöpfung führt. Sie suchen oft ihr ganzes Leben nach Anerkennung im Außen, nach ihrem eigenen Lebensraum, nach Platz in der Gesellschaft.

Kriegsenkel wählten oft Berufe, die mit Kontrolle oder Helfen und Heilen zu tun haben.

Sie „kämpfen“ mit Eltern, die oftmals als Kinder im Krieg durch eigene Erlebnisse oder durch Beobachteten von Kriegsgräuel traumatisiert wurden. Die Großeltern waren KriegsteilnehmerInnen auf der Opfer-, vielfach aber auf der Täterseite. Darüber wurde in den Familien seltenst gesprochen. Weder wurde erzählt noch gefragt.

Täter (zB. SS oder Wehrmachtsangehörige) und Mitläufer haben ihre Teilnahme am Krieg nicht reflektiert, sich nicht kritisch mit der historischen Geschichte auseinandergesetzt. Sie haben vorhandene Schuld nicht eingestanden.

Die Kriegskindereltern sind in einem Mileau des Schweigens, der Beziehungslosigkeit (Emotionslosigkeit) aufgewachsen. Was ihnen selbst als Kindern widerfahren ist und/oder was ihnen in ihrer Entwicklung gefehlt hat, wurde selten als Leid wahrgenommen, noch anerkannt.

In den Familien wurde keine kritische Haltung zur NS-Zeit eingenommen, sondern dazu geschwiegen.

In der Schule wurde im Geschichtsunterricht die NS-zeit kaum behandelt.

Bericht "Es geht uns gut" von Merle Hilbk 

AKTUELLER AUFRUF des KOBV (Kriegsopfer- und Behindertenverbandes Österreichs)

sucht Ihre Lebensgeschichte für ein “Buch der Erinnerung”, welches im April 2015 in Wien präsentiert werden wird.