Kriegsenkel.at

Erste österreichische Plattform für Kriegsenkel und Kriegsenkelinnen

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Wer wir sind

28.01.12

Claudia Wielander, MSc

      • Projektgründerin und Webmasterin
      • geboren 1964 in Düsseldorf, Kriegsenkelin
      • Psychotherapeutin in integrativer Gestalttherapie
      • Diplomsozialarbeiterin
        www.wende-punkt.at
        , praxis(at)wende-punkt.at

Meine Mutter, geb 1936 flüchtete als 8,5 jährige im Jänner 1945 mit dem letzten Zug aus Allenstein (heute Olsztyn) in Ostpreußen. Über Ostdeutschland fand die Familie in Düsseldorf nach dem Krieg wieder zusammen, von wo aus meine Mutter als junge Frau nach Canada auswanderte. Mein Vater, geb. 1934 wuchs als lediges Kind einer alleinerziehenden Mutter (und später Kriegswitwe) als Ältester von 3 Kindern in ärmlichen Verhältnissen in O.Ö. auf, von wo aus er sich durch Fleiß und Bildung hinaufarbeitete und später ebenso nach Canada auswanderte. Beide Großväter gehörten der Wehrmacht an, sie haben den Krieg bzw. die russ. Gefangenschaft überlebt. Der Vater meiner Mutter meldete sich als Berufsoffizier freiwillig an die Ostfront um seine Kameraden nicht im Stich zu lassen; seine Familie damit schon!

Rastlosigkeit, Heimatsuche (über 20 Umzüge), das Gefühl des Fremdseins, die Suche nach Zugehörigkeit und dem „richtigen Platz“ prägten mein bisheriges Leben.

 

Mag.a. Isabella Gerstgrasser

    • Projektgründerin
    • geboren 1958 in Villach, Kriegsenkelin
    • Psychotherapeutin in Psychodrama
    • Psychologin und Steuerexpertin
      www.isabella-gerstgrasser.at
      , praxis(at)isabella-gerstgrasser

Mein Großvater mütterlicherseits (geb. 1897) hat an beiden Weltkriegen teilgenommen. Er war der uneheliche Sohn eines Gutsherrn und einer Dienstbotin. Schon früh kam er mit dem Nationalsozialismus in Kontakt. Bereits vor der Machtergreifung Hitlers wurde er wegen illegaler nationalsozialistischer Betätigung zu 6 Wochen bedingt verurteilt. Wegen Putschbeteiligung verlor er seine Arbeitsstelle. 1931 trat er der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter Partei bei. Er hatte dort die Funktion eines Kreisobmannes der Deutschen Arbeitsfront. Seine Dienstcharge beim Wehrverband war die eines SA-Obersturmführers.

Als ich 20 Jahre alt war, erzählte mir der älteste Bruder meiner Mutter von einem tragischen Zwischenfall.  Im Februar 1943 starb meine damals 47jährigen Großmutter an den Folgen eines Unfalles, der sich so ereignet haben soll: Aus der Dienstpistole meines Großvaters löste sich ein Schuss, weil der jüngste Sohn unbeaufsichtigt mit der Waffe gespielt hatte.

„Der Vati ist ein guter Mensch gewesen und hat allen geholfen.“  Viel mehr hat meine Mutter (geb. 1931) aus ihrer Kriegskindheit nicht erzählt, nicht erzählen können.

Nicht zuordenbare Schuldgefühle, die innere Aufforderung, ganz viel für Andere tun zu müssen und dabei die eigenen Wünsche zurückzustellen, sind Themen, die mich seit meiner frühen Jugend begleiten.

 

  Maria Angelika Kraher

      • Projektgründerin und Lyrikverantwortliche
      • geboren 1956 in Feldkirch, Kriegsenkelin
      • Psychotherapeutin in System.Familientherapie
      • www.praxis-sophia.at

Mein Vater war von 1941 – 1945 aktiver Kriegsteilnehmer als Soldat. Auch sein Vater hatte bereits im 1.WK gekämpft. An einen Satz erinnere ich mich, da er von ihm stets wiederholt wurde und seine leidvollen Erfahrungen ausdrückt: „Genossen schlaft schnell, euer Bett wird gebraucht“. Groß und dominant hing 60 Jahre lang zudem das Bildnis des im WK II gefallenen Bruders meiner Mutter im Wohnzimmer unserer Familie.

Als kleines Mädchen schon spürte ich die Trauer und die Sehnsucht nach ihm. Möglicherweise ist es deshalb meine Berufung aus dem erdrückenden Schweigen ein heilsames Erzählen zu gestalten.

 

Bettina Angela Ganahl

  • geboren 1957  in Hannover als Kriegsenkelin und Schwester von Kriegskindern
  • Psychotherapeutin in System. Familientherapie
    www.bettinaganahl.at
    , info(at)bettinaganahl.at

Nach dem 2.Weltkrieg hat mein Vater hier eine gute Stellung bekommen. Ich bin vom Jahrgang her ein Kriegsenkel, meine älteren Geschwister sind sog. Kriegskinder, da 1944 und 1945 geboren. Die Eltern gehören also zur Tätergeneration und sind keine Kriegskinder, sondern haben als Erwachsene den Krieg durchlebt. Meine ersten Erfahrungen mit dem Krieg sind die Erzählungen meiner Mutter…und die lautstarken Streitgespräche meiner pubertierenden Geschwister mit meinem Vater über den Krieg.

Als typisches Kriegskind habe ich einen Helferberuf gewählt: Ich habe langjährig in der pädagogischen und psychotherapeutischen Betreuung von Kindern und Erwachsenen gearbeitet und mich vielfach weitergebildet. Dieses Wissen und die intensiven Erfahrungen werden durch das Leben als Ehefrau mit zwei Töchtern in einer Mehrgenerationenfamilie sehr praxisnah abgerundet.

 

Sandra Gerö Mag.a. Sandra Gerö

    • geboren 1967 in Zagreb, Kriegsenkelin
    • Klinische und Gesundheitspsychologin, Medienpädagogin, Supervisorin mit den Schwerpunkten Frauen, Trauma, Migration und Internet
    • www.geroe.com,
      grossvatergeroe.e-lucid.net

Mein Großvater väterlicherseits floh 1941 aus Zagreb nach Rom, um nie wieder zurückzukommen, mein Vater war damals 5 Jahre alt. Der Bruder meines Großvaters so wie viele seiner Verwandten wurden in KZs ermordet.
Mein Großvater mütterlicherseits desertierte während des 2. Weltkriegs und versteckte sich in einer Grube im Garten. Meine Mutter kam 1940 zur Welt und verhält sich bis heute als könnte sie jeden Moment alles verlieren.

Ich habe mit meiner Ursprungsfamilie in Zagreb, Warschau, Frankfurt und seit 1975 in Wien gelebt. Bevor ich von zuhause auszog, sind wir sieben Mal umgezogen, seitdem bin ich neun weitere Male umgezogen. Eins der Lieblingslieder meiner Jugend war „The stranger“ von Tuxedomoon: „It isn’t my fault / That I’m strange“. Die Kriege in meinem Heimatland Jugoslawien haben mich vollends heimatlos gemacht.

Der Vater meiner Kinder ist Deutscher und kam mit mir nach Österreich. Sein Großvater, den ich noch kurz kennengelernt habe, fragte ihn dauernd, wann er „bei die Wehrmacht“ gehen würde. Meine Kinder wurden in Wien geboren und arbeiten bzw. studieren beide Sozialberufe.